Zusammenfassung anhören
Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten
Die Plakette am Kennzeichen verrät es auf einen Blick: Ist der TÜV noch gültig, oder wird es Zeit für einen neuen Termin? Wer die Hauptuntersuchung überzieht, riskiert nicht nur Bußgeld und Punkte, sondern im schlimmsten Fall auch Ärger mit der eigenen Versicherung. Wir erklären, wie die Fristen funktionieren und was bei einer verpassten HU wirklich passiert.
Wie oft muss ein Fahrzeug zur Hauptuntersuchung?
Die Prüfintervalle richten sich nach Fahrzeugart und -alter:
- Neuwagen: Erstvorführung nach 3 Jahren.
- Reguläre Pkw: danach alle 2 Jahre.
- Bei bestimmten Fahrzeugarten (z. B. gewerblich genutzte Fahrzeuge) können kürzere Intervalle gelten.
Der genaue Fälligkeitstermin lässt sich auf zwei Wegen ablesen:
- An der TÜV-Plakette auf dem hinteren Kennzeichen: Die Zahl in der Mitte zeigt das Jahr, die Zahl am oberen Rand den Monat der Fälligkeit.
- Im Fahrzeugschein bzw. der Zulassungsbescheinigung Teil I, wo der Termin ebenfalls vermerkt ist.
Seit 2010 ist die Abgasuntersuchung (AU) fest in die Hauptuntersuchung integriert – ein separater Termin oder eine zweite Plakette sind daher nicht mehr nötig.
Was wird bei der Hauptuntersuchung geprüft?
Im Rahmen der HU wird ein Fahrzeug umfassend auf seine Verkehrssicherheit hin untersucht – unter anderem:
- Bremsen, Lenkung, Beleuchtung und Fahrwerk
- Abgaswerte im Rahmen der integrierten Abgasuntersuchung
- Sichtverhältnisse und Umweltverträglichkeit
- Identifizierbarkeit des Fahrzeugs sowie die Verkehrssicherheit vorgenommener Umbauten oder Modifikationen
Diese Bußgelder drohen bei überzogener HU
Wer den Termin verstreichen lässt, muss mit gestaffelten Sanktionen rechnen:
| Überziehung | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| bis 2 Monate | kein Bußgeld | – |
| 2 bis 4 Monate | 15 € | – |
| 4 bis 8 Monate | 25 € | – |
| mehr als 8 Monate | 60 € | 1 Punkt |
Zusätzlich gilt: Wird die HU-Frist um mehr als 2 Monate überschritten, verlangt die Prüfstelle eine erweiterte Untersuchung – dadurch steigt die reguläre Prüfgebühr um rund 20 Prozent, zuzüglich möglicher Reparaturkosten und einer weiteren Nachuntersuchung.
Was kostet eine reguläre Hauptuntersuchung?
Die Kosten variieren je nach Bundesland und Prüforganisation, liegen aber im Schnitt bei etwa 90 Euro für die reguläre Untersuchung. Bei Fahrzeugmängeln, notwendigen Nachuntersuchungen oder einer überzogenen Frist mit vertiefter Untersuchung können die Gesamtkosten spürbar höher ausfallen.
Mängel bei der HU: Wie geht es danach weiter?
Werden bei der Untersuchung Mängel festgestellt, unterscheidet sich das weitere Vorgehen je nach Schweregrad:
- Bei geringen Mängeln wird die Plakette meist trotzdem erteilt, mit der Bitte, den Mangel zeitnah zu beheben.
- Bei erheblichen Mängeln gibt es keine Plakette – stattdessen erhält man eine Nachprüffrist, meist etwa 4 Wochen, um die Mängel zu beheben und eine kostenlose Nachprüfung wahrzunehmen.
- Läuft auch diese Nachprüffrist ab, ohne dass die Nachuntersuchung erfolgt ist, muss das Fahrzeug die komplette Hauptuntersuchung erneut durchlaufen – die bereits gezahlte Prüfgebühr wird dann nicht angerechnet.
Wichtig: Die Nachprüfung muss nicht zwingend bei derselben Prüfstelle erfolgen wie die ursprüngliche HU – das kann etwa bei Betriebsferien der Werkstatt hilfreich sein. Den ursprünglichen Prüfbericht sollte man bis zur erfolgreichen Nachprüfung unbedingt aufbewahren, da er im Falle einer Verkehrskontrolle als Nachweis dient.
Gute Vorbereitung spart Zeit und Geld
Vor dem eigentlichen Termin lohnt sich ein wenig Eigeninitiative:
- Die Plakette am Kennzeichen mit dem Eintrag in der Zulassungsbescheinigung Teil I abgleichen.
- Bei Umbauten oder neu montierten Reifen die entsprechenden Gutachten bereithalten.
- Rund 4 bis 6 Wochen Zeitpuffer einplanen, um bei kleineren Mängeln noch rechtzeitig reagieren zu können.
- Bei Wohnmobilen zusätzlich an Nachweise zur Gasprüfung sowie zu Anbauteilen denken.
Lohnt sich ein Einspruch gegen einen HU-Bußgeldbescheid?
Ein Einspruch kann sinnvoll sein, wenn der Nachweis über die tatsächliche Vorführung unklar ist, der maßgebliche Stichtag falsch interpretiert wurde, oder formale Fehler im Bescheid vorliegen. Entscheidend ist dabei oft eine feine Unterscheidung: Maßgeblich ist in der Regel, dass das Fahrzeug innerhalb der Frist zur Untersuchung vorgeführt wurde – nicht zwingend, dass die Plakette bereits am selben Tag erteilt wird. Bei kurzen Verzögerungen mit nachvollziehbaren Gründen lässt sich die Sanktion mitunter reduzieren.
Fazit
Die Hauptuntersuchung ist mehr als eine Formalität – sie stellt sicher, dass ein Fahrzeug tatsächlich verkehrssicher unterwegs ist. Wer die Fälligkeit im Blick behält und rechtzeitig einen Termin bucht, spart sich nicht nur Bußgeld und Punkte, sondern auch die teurere erweiterte Untersuchung bei längerer Überziehung.


















































