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Drei Punkte in Flensburg, und das mulmige Gefühl beim Blick in den Rückspiegel: Reicht der nächste Blitzer schon für die Ermahnung? Wer sich in dieser Lage befindet, muss nicht tatenlos zusehen, wie sich das Punktekonto weiter füllt. Ein freiwilliges Seminar kann helfen – allerdings nur unter engen Bedingungen und nur einmal alle fünf Jahre.
Was ist das Fahreignungsseminar überhaupt?
Das Fahreignungsseminar (FES) ist in § 4a StVG geregelt und richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die im Fahreignungsregister bereits Punkte gesammelt haben, aber noch nicht im kritischen Bereich angekommen sind. Es ersetzte 2014 das frühere Aufbauseminar als reguläres Punkteabbau-Instrument und kombiniert eine verkehrspädagogische mit einer verkehrspsychologischen Komponente.
Voraussetzungen: Wer darf teilnehmen?
Nicht jeder Punktesünder kommt für das freiwillige Seminar infrage. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:
- Der aktuelle Punktestand liegt bei maximal fünf Punkten im Fahreignungsregister.
- In den vergangenen fünf Jahren wurde noch kein solches Seminar besucht.
- Bei einem Stand von vier oder fünf Punkten ist zusätzlich eine schriftliche Ermahnung durch die Fahrerlaubnisbehörde erfolgt.
- Ab sechs oder sieben Punkten entfällt die Möglichkeit des Punkteabbaus über das Seminar vollständig – hier hilft nur noch, weitere Verstöße zu vermeiden.
Ablauf: Zwei Bausteine, mehrere Wochen
Das Seminar besteht aus zwei getrennten Teilen, die zeitlich nicht beliebig zusammengelegt werden können:
- Verkehrspädagogischer Teil bei einer Fahrschule: zwei Module à 90 Minuten mit mindestens einer Woche Abstand, in denen das eigene Fehlverhalten im Straßenverkehr besprochen wird.
- Verkehrspsychologischer Teil bei einer zugelassenen Stelle wie TÜV oder DEKRA: zwei Einzelsitzungen à 75 Minuten mit mindestens drei Wochen Abstand zur individuellen Ursachenanalyse.
- Nach Abschluss beider Teile: Einreichung der Teilnahmebescheinigungen beim Kraftfahrt-Bundesamt, in der Regel innerhalb weniger Wochen nach dem letzten Termin.
Insgesamt zieht sich der gesamte Prozess über mehrere Wochen bis wenige Monate hin, da die vorgeschriebenen Mindestabstände zwischen den Terminen eingehalten werden müssen.
Was bringt es konkret – und was kostet es?
Der Effekt ist überschaubar, aber real: Nach vollständiger Teilnahme wird genau ein Punkt vom aktuellen Stand abgezogen. Wer beispielsweise bei vier Punkten steht, landet danach bei drei – und entfernt sich damit spürbar von der nächsten Verwarnungsstufe. Die Kosten trägt der Teilnehmer vollständig selbst, staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Je nach Anbieter und Region bewegen sich die Gesamtkosten meist zwischen rund 300 und 650 Euro für beide Seminarteile zusammen.
| Punktestand vor Seminar | Teilnahme möglich? | Effekt nach Teilnahme |
|---|---|---|
| 1 bis 3 Punkte | Ja | Ein Punkt weniger |
| 4 bis 5 Punkte | Ja (nach Ermahnung) | Ein Punkt weniger |
| 6 bis 7 Punkte | Nein | Kein Punkteabbau möglich |
| 8 Punkte oder mehr | Nein | Fahrerlaubnis wird entzogen |
Unterschied zum Aufbauseminar für Fahranfänger
Häufig werden beide Maßnahmen verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Zielgruppen und Wirkungen haben:
- Das Aufbauseminar (ASP) betrifft ausschließlich Fahranfänger in der Probezeit und ist bei bestimmten Verstößen verpflichtend, nicht freiwillig.
- Wer das Aufbauseminar verweigert, riskiert deutlich schärfere Folgen bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis.
- Das ASP dient primär der Verlängerung der Probezeit und der Verkehrserziehung, nicht dem klassischen Punkteabbau im Fahreignungsregister.
- Das freiwillige Fahreignungsseminar dagegen steht allen Fahrerlaubnisinhabern offen, ist rein optional und wirkt sich direkt auf den Punktestand aus.
Fazit
Das freiwillige Fahreignungsseminar ist kein Freibrief, aber ein sinnvolles Instrument für alle, die ihr Punktekonto rechtzeitig entlasten wollen. Wer die Voraussetzungen erfüllt, sollte die Gelegenheit nutzen, denn sie kommt nur einmal alle fünf Jahre – und nur, solange der Punktestand noch unter der kritischen Sechs-Punkte-Grenze liegt. Wer länger wartet, verliert die Chance auf den Abbau ganz.


















































